Sternchen-Geschichten
Der kleine blonde Engel
Eines Tages spazierte ein kleiner blonder Engel mit seinem großen Schutzengel durch das Himmelsreich. Da blickte er durch ein Wolkenloch und sah eine neue Welt.
Eine fremde Welt, die ihn magisch anzog.
Er fragte den Schutzengel "Was ist das für eine Welt?"
"Oh" sagte der Schutzengel "diesen Ort nennen wir Erde, dort leben die Menschen".
"Menschen" fragte der kleine Engel "was sind das?"
"Das sind Geschöpfe, die nicht mehr wissen und vergessen haben, was Engel sind" sagte der Schutzengel.
Verdutzt blieb der kleine Engel stehen, schaute zum großen Schutzengel hinüber und lachte.
Er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, dass alle Sternlein am Himmelszelt wackelten.
Dann gingen sie weiter, doch der kleine blonde Engel mußte immer wieder an die Worte des Schutzengels denken.
Nach einiger Zeit sah der kleine Engel während des Spaziergangs wieder durch ein Wolkenloch auf die Erde.
Ein seltsames Gefühl stieg in ihm hoch und er fragte den großen Schutzengel:
"Ich verspüre ein neues Gefühl in mir. Es kribbelt, was ist das?"
Der große Schutzengel sah seinen kleinen Freund ruhig an und dann sagte er: "Dieses Gefühl nennt man Sehnsucht".
"Was ist Sehnsucht?" fragte der kleine blonde Engel.
"Das Warten auf ein Wiedersehen mit der Ewigkeit" sprach der große Schutzengel.
Das verstand der kleine blonde Engel nicht, doch aus lauter Freude über dieses Gefühl lachte er, er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, dass alle Sternlein am Himmelszelt wackelten.
Die Zeit verging und der kleine Engel fühlte sich immer mehr und mehr zu den Menschen hingezogen. Seine Sehnsucht wurde so groß, dass er eines Tages zum großen Schutzengel lief und sprach:"Wie komme ich auf die Erde?"
"Nun", sprach der Schutzengel "du mußt warten, bis zwei Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Erdenkind. Dann kannst du in ihre Welt reisen und sie kennen lernen. Doch nur für einen Augenblick... du bist ein Engel und deine Aufgaben sind hier im Himmelsreich".
Der kleine Engel freute sich, er hüpfte aufgeregt von Wolke zu Wolke und wartete ungeduldig auf den Tag seiner Reise zu den Menschen.
Zur gleichen Zeit begab es sich auf der Erde, das ein Vater und eine Mutter erfuhren, dass sie noch ein Kind erwarteten. Sie waren voller Freude und erzählten es ihren beiden Töchtern, die schon in der Familie wohnten.
Nun begann für die Familie das Warten auf den großen Tag der Niederkunft.
Mit jedem Tag wuchs auch die Sehnsucht der Eltern, dass das Kind endlich das Licht der Erde erblickte.
Genauso unruhig wurde der kleine blonde Engel in seinem Himmelsreich.
Dann kam der Tag, an dem die Reise losgehen sollte.
Der Schutzengel nahm den kleinen Schutzengel bei der Hand und ging mit ihm zum Himmelstor und fragte ihn:
"Möchtest du wirklich einen Ausflug machen? Es wird nur eine kurze Reise in die Welt der Menschen sein. Wenn der Tag für dich gekommen ist, nach Hause zu gehen, werde ich dich abholen."
Der kleine Engel zappelte vor Aufregung hin und her. Er konnte nicht still stehen und rief: "Ja, ja, ich möchte endlich los. Bald bin ich wieder zurück".
"Halt, halt", rief der große Schutzengel "deine Flügel mußt du hier lassen. Ich werde sie für dich aufbewahren, bis du wiederkommst".
"Woher weiß ich, wann ich nach Hause kommen soll?" fragte der kleine Engel.
"Du wirst es spüren", sagte der Schutzengel "dann werde ich bei dir sein".
Zur gleichen Zeit spürte die Mutter, dass das Baby bald kommen würde und an einem heißen Spätsommertag war es dann soweit.
Der kleine blonde Engel tauchte durch das Himmelsreich, durch die Wolken in das irdische Leben in Gestalt eines kleinen, blonden Menschenjungen.
Die glücklichen Eltern gaben ihrem kleinen Sohn einen Namen und die beiden Töchter waren voller Stolz und Freude über die Geburt ihres kleinen Bruders.
Der kleine Engel wuchs in der Familie heran und seine beiden Schwestern umsorgten ihn fürsorglich.
Er war voller Liebe und Wärme und spendete der Familie viel Licht und Kraft.
Es kam der Tag, an dem dem kleinen Jungen der Schutzengel erschien.
Er tippte ihm behutsam auf die Schulter und sagte:
"Kleiner, blonder Engel, es wird Zeit, nach Hause zu gehen!"
Der Junge antwortete: "Aber ich will noch bleiben. Ich fühle mich wohl bei meiner Familie".
"Ich weiß, dass die Liebe deiner Familie so groß ist, dass es schwer fällt, zu gehen. Aber erinnere dich, deine Aufgaben sind im Himmelsreich" sagte der Schutzengel.
"Du hast Recht, ich komme", antwortete der kleine Junge "werde ich meine Eltern und meine Schwestern jemals wiedersehen?"
Der Schutzengel überlegte einen Augenblick und sprach dann:
"Wenn die Liebe deiner Eltern und Schwestern so groß ist, dass sie wieder an Engel glauben können, dann wird es für euch ein Wiedersehen geben".
Der Schutzengel griff unter seinen weiten Umhang und holte ein paar kleine goldene Flügel hervor und legte sie dem kleinen Jungen an.
Da lachte der kleine Engel, er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, das all Sternlein am Himmelszelt wackelten, glücklich, dass er seine Flügel wieder hatte.
Der Schutzengel nahm seinen kleinen Freund bei der Hand und sie schwebten glücklich ins Himmelsreich, begleitet von der Liebe seiner Eltern und Schestern...
(Heike M.)
Die Sternenkinder waren heute ein wenig traurig.
Da hatten sie so lange darum gebeten einmal einen kurzen Blick auf die Erde werfen zu dürfen und als es ihnen gewährt wurde, konnten sie die von ihnen so sehr geliebten Gesichter ihrer Erdeneltern in solcher Trauer sehen, dass es ihnen ganz schwer um die kleinen Herzen wurde.
"Was sollen wir nur machen?" fragte ein kleiner bezaubernder Junge in die Runde.
Alle hatten sich unter einen großen, bunt blühenden Schmetterlingsbaum gesetzt und überlegten.
"Wir müssen ihnen irgendwie sagen wie lieb wir sie haben und dass wir sie fest in unseren Herzen tragen" flüsterte ein Mädchen mit einer Stimme wie helles Glockenläuten "und das wir wissen, dass sie uns immer lieben!".
"Aber wie?" fragten sie sich alle .
"Sie denken so fest an uns und sind mit ihren Gedanken immer bei uns, aber diese Gedanken und die Trauer nehmen sie völlig ein so dass kein Platz bleibt unsere Gedanken- und Traumworte zu verstehen."
Ein Mädchen, schön wie eine kleine Elfe weinte ein bisschen.
"Ich habe meine Mami und meinen Papi doch so lieb und ich möchte so gerne, dass sie wissen das es mir gut geht hier bei euch - meinen Sternengeschwistern - in unserem Sternentraumland."
Sie blickte sich um und sagte "Wenn sie nur sehen könnten wie schön es hier ist! Wenn sie nur wissen könnten, dass jede Träne die sie um uns weinen eine der wunderschönen, roten Rosen hier wachsen lässt."
Die Kleine streichelte liebevoll eine der satten, vollen Rosenblüten.
"Wenn wir ihnen nur sagen könnten, dass jeder Traum den sie von uns Träumen einen neuen, glitzernden, warmen See entstehen lässt der aussieht wie der reinste Edelstein! Das jeder Gedanke den sie an uns richten die Sonne ein klein bisschen heller und wärmer scheinen lässt und einen Sonnenstrahl gebärt!"
Sie seufzte "Das würde ich mir wünschen!"
"Doch wie sollen wir es Ihnen sagen" rief ein Junge.
Doch dann lächelte er "Ich weiß wie!" und alle rutschten ein klein wenig näher zusammen und er erzählte ihnen von seinem Plan:
"Wir müssen jemanden finden der ein offenes Herz für uns hat und der an uns glaubt. Jemanden der uns lieben könnte, obwohl er uns nicht kennt! Dieser Jemand darf aber die schlimme Erfahrung die unsere geliebten Erdeneltern machen mussten, nicht erlebt haben denn sonst überwiegt wieder die Trauer und wir werden nicht gehört! Das ist mein Plan!"
Er blickte beifallsuchend in die Runde der Sternenkinder, aber der gewünschte Applaus blieb leider aus.
"Das wird aber soooo schwierig!" "Wo sollen wir einen solchen Menschen finden?" "Viele auf der Erde denken doch sogar wir wären noch nicht mal richtige Kinder!" "Die meisten verschließen sich vor den Gedanken an uns und würden am liebsten leugnen dass so etwas sein kann!" "So jemanden finden wir nie!"
Alle riefen durcheinander und es war ihnen anzusehen, dass sie nicht ganz an das Gelingen des Plans glaubten!
Ein Junge der schon etwas größer war als die anderen und mit seinen himmelblauen Augen, den Sommersprossen auf der Nase und den kreuz und quer verwuschelten Haaren aussah wie der liebste Spitzbub den man sich vorstellen kann rief:
"Lasst es uns doch wenigstens versuchen! Wir sind doch nicht so wie die vielen Erdenmenschen die an nichts mehr glauben! Wir glauben doch an unsere lieben Eltern! Ich bin sicher wir werden jemanden finden! Ganz bestimmt!"
Auch das elfengleiche Mädchen wischte sich die Sternschnuppentränchen aus den Augen und rief "Ja... lasst es uns versuchen!"
Die Sternenkinder flogen mit den großen, bunten Schmetterlingen zu Ihren Sternen und schickten sich an die Menschen zu beobachten um jemanden zu finden der auf sie hören würde und ihren Eltern eine Botschaft von ihnen überbringen könnte!
Sehr lange saßen sie auf ihren Aussichtsplätzen und beobachteten die Welt!
Was sie sahen machte sie mehr als einmal mutlos!
"Es scheint als wäre die Erde von ignoranten, gefühllosen Menschen ohne jegliches Gespür bevölkert" dachte sich der süße Spitzbub der die Idee verteidigt hatte "vielleicht hatten die anderen doch recht?" seufzte er. "Aber es muss doch noch einen Menschen geben der außer unseren Eltern, Omis und Opis und Geschwistern an uns denkt"
Sein Blick folgte einem Sonnenstrahl bis er auf der Erde auftraf und sein Herz hüpfte vor Freude! Der Sonnenstrahl fiel direkt durch ein Bürofenster und an einem Schreibtisch sah er eine junge Frau an ihrem Computer sitzen.
Der Junge fühlte sich sofort zu ihr hingezogen, wollte sie aber noch eine Weile beobachten, bevor er es den anderen sagen wollte um sicher zu gehen, dass sein Gefühl richtig war.
Die Frau schaute mit tränenblindem Blick auf den Monitor und der Junge rutschte auf dem fünften Zacken seines Sterns ganz nach vorne um sehen zu können was die Frau so traurig machte.
Was er sah ließ ihn erschauern, die Frau schaute sich ein Bild eines Babys an! Und - das war unglaublich - das Baby war er!
Die Frau schaute sich gerade seine Homepage an, die die Erdeneltern des Jungen liebevoll für ihn angefertigt hatten.
Er sah wie sie immer noch weinte und mit dem Zeigefinger vorsichtig über sein Bild am Monitor strich, er konnte ihre Berührung spüren wie sie ihm leicht an der Nase stupste und sein Gesicht streichelte.
Er merkte, dass die fremde Frau ihm ganz nahe war.
"Das ist sie!" jubelte er "Ich habe Sie gefunden! Sie ist genau die Richtige!"
Aufgeregt schickte er seinen Sternenschmetterling zu allen den kleinen leuchtenden Sternchen um die anderen Kinder zu benachrichtigen und so trafen sie sich kurz darauf wieder unter dem großen Schmetterlingsbaum, der niemals seine Blüten verlor und der Junge erzählte den Sternenkindern von der Frau und dass er ganz deutlich spüren konnte dass sie liebevoll an ihn und alle Sternenkinder dachte, obwohl sie sie nicht kannte!
"Das ist ja wundervoll! Sie muss es sein" rief ein Mädchen und lachte ein glockenhelles Lachen, so glücklich war sie!
Plötzlich war alles ganz einfach und jeder wusste was er zu tun hatte!
Sie setzten sich alle im Kreis und fassten sich an den Händen! Da lagen kleine in großen Händen, weiße Hände in schwarzen und Mädchenhände in denen der Jungen! Ein Gefühl der Ruhe und der großen Freude durchdrang sie als sie die Augen schlossen und alle ihre Gedanken, ihre Träume und ihre Worte an die geliebten Eltern an die fremde Frau schickten!
Ich saß gestern nach einem Tag voller Gedanken an die Sternenkinder zu Hause und beobachtete meine Sternenkinderkerze, die ich gerade in liebevollem Gedenken an Kinder, die ich nicht kannte angezündet, hatte.
Plötzlich überkam mich ein Gefühl der Leichtigkeit und des Glücks. Ich schloss die Augen und überließ mich diesem Gefühl völlig und wünschte das es nie aufhören möge! Ich hörte Kinderstimmen rein und klar wie ein Bergsee, ich hörte Kinderlachen das glockenhell in meine Seele drang und ich hörte zu!
Lange hörte ich zu und heute schreibe ich die Geschichte auf!
Liebe Sternenkindereltern, Eure Kinder sind immer in und um Euch und sie lieben Euch von ganzem Herzen!
Sie spielen auf blühenden, bunten Wiesen fangen! Sie schwimmen in silbernen Seen und essen die süßesten Früchte! Sie haben den Regenbogen für Ihre Rutschpartien und sie jagen den Sonnenstrahlen nach!
Jede Eurer Tränen lässt eine rote Rose erblühen die Eure Kinder mit ihrer Schönheit und ihrem Duft erfreut!
Jeder Traum den Ihr von Euren Kindern träumt erschafft einen klaren, im Sonnenlicht funkelnde See in dem Eure Kinder die Füße baumeln lassen und Papierschiffe segeln lassen!
Jeder Eurer Gedanken an sie lässt die Sonne für Eure Kinder noch ein wenig wärmer und goldener scheinen und neue Sonnenstrahlen entstehen, die sie an den Näschen kitzeln!
Die Luft die Eure Kinder atmen ist erfüllt von ihrem glücklichen Lachen!
Große, bunte Schmetterlinge sind ihre Gefährten und tragen sie jubelnd durch die Lüfte!
Sie schlafen auf ihren Sternchen und lassen sich von dem warmen Licht einhüllen und Eure Träume sind ihr
Schlaflied!
Eure Sternenkinder sind im Sternenkindertraumland und lieben Euch von ganzem Herzen!
(C. Andrea Metzger)
Zigarrenkäfer und Libelle
Ganz tief unterhalb der Wasseroberfläche eines kleinen Teiches lebte eine Zigarrenkäferkolonie.
Weit weg von der Sonne lebten sie da glücklich und zufrieden.
Viele Monate krabbelten sie geschäftig durch den weichen Schlamm am Grunde des Teiches. Sie bemerkten, dass immer mal wieder einer aus ihrer Kolonie keine Lust zu haben schien, mit seinen Freunden herumzukrabbeln. Stattdessen klammerte er sich an den Stängel einer Seerose und kletterte ganz langsam daran hoch, bis er nicht mehr zu sehen war. Sie bekamen ihn nie wieder zu Gesicht.
"Seht mal", sagte eines Tages einer der Zigarrenkäfer zu seinen Freunden, "wieder klettert einer von uns am Stängel der Seerose hoch. Was meint ihr, wo will er hin?" Ganz langsam kletterte ihr Freund immer höher und höher. Und während sie ihn noch beobachteten, verschwand er plötzlich aus ihrem Gesichtsfeld. Seine Freunde warteten und warteten, aber er kam nicht zurück.
"Das ist irgendwie komisch", sagte ein Zigarrenkäfer zum anderen. "Hat's ihm hier denn nicht gefallen?" fragte ein zweiter. "Was glaubst du, wo er hingekrabbelt ist?" wunderte sich ein dritter. Sie zerbrachen sich den Kopf, aber keine hatte eine Antwort darauf.
Schließlich versammelte der Anführer der Zigarrenkäfer seine Freunde um sich: "Ich habe eine Idee. Der nächste von uns, der den Stängel der Seerose hochklettert, muss versprechen wiederzukommen um uns zu erzählen, wo er hin gegangen ist. "Wir versprechen es", sagten alle ganz feierlich.
Kurz darauf an einem schönen Frühlingstag bemerkte der Anführer der Zigarrenkäfer -eben der, der den Plan ausgeheckt hatte- dass er an einem Seerosenstängel hochkrabbelte. Höher und höher ging es, und ehe er sich versah, hatte er den Wasserspiegel durchbrochen und fand sich auf einem großen grünen Seerosenblatt wieder. Er rieb sich überrascht die Augen, denn er konnte nicht glauben, was er sah. Dazu kam, dass sich sein alter Körper in einem bestürzenden Tembo verwandelte. Plötzlich zeigten sich vier silberne Flügel und ein langer Schwanz.
Und während er noch mühsam versuchte auf die Beine zu kommen, verspürte er den Wunsch, seine neuen Flügel zu bewegen. Die Wärme der Frühlingssonne trocknete schnell die überschüssige Feuchtigkeit von seinem neuen Körper.
Wieder berwegte er seine Flügel und plötzlich fand er sich oberhalb des Wassers in der Luft schwebend wieder.
Er war eine Libelle geworden. In weiten Kurven sich wiegend, dann wieder blitzschnell herabsausend, flog er durch die Luft. Voller Heiterkeit genoss er seine neue Welt. Nach einer Weile landete er überglücklich auf einem Seerosenblatt, um sich eine Verschnaufspause zu gönnen.
Zufällig sah er dabei über den Rand des Seerosenblattes nach unten auf den Grund des kleinen Teiches: Da waren ja wahrhaftig seine alten Freunde, die Zigarrenkäfer.
Er war direkt über ihnen.
Sie krabbelten eifrig durch den weichen Schlamm - so wie er es bis vor Kurzem gemacht hatte. Da fiel ihm das Versprechen ein "Der nächste von uns, der den Stängel der Seerose hochklettert, muss versprechen wiederzukommen um uns zu erzählen, wo er hingegangen ist".
Ohne weiteres nachzudenken, stürtze sich die Libelle - unser alter ehemaliger Zigarrenkäfer - kopfüber hinunter und......... prallte an der Wasseroberfläche zurück.
Er war eine Libelle geworden, er konnte nicht mehr ins Wasser hinein.
"Ich kann nicht zurück", sagte er bestürzt, und dann, nach einer kleinen Weile, besann er sich:"Ich habe es immerhin versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Sogar wenn ich zurückgehen könnte, würde es nichts nützen.
Denn nicht einer meiner alten Freunde würde mich in meinem neuen Körper wiedererkennen. Ich denke, ich muss warten, bis sie auch Libellen geworden sind.
Dann werden sie verstehen, was mir passiert ist und wo ich hingekommen bin".
Und die Libelle breitete ihre schimmernden Flügel aus und flog in ihre neue wunderbare, sonnige und luftige Welt hinein.
(Frei übersetzt nach einer Geschichte von D. Stickney)
Durch die Augen des Kindes
Ich war bereit zu gehen.
Du musst nicht traurig sein, denn das ist der Lauf der Dinge.
Ich bin mit diesem Wissen auf Deine Welt gekommen.
Es ist für mich nicht tragisch oder furchtbar, dass ich gehen musste.
Ich war dazu bereit, ich bin dazu bestimmt, ich habe es SELBST so bestimmt.
Es ist mein Weg, und ihr ward bereit, ihn mit mir zu gehen.
Das ist es, was euer größtes Geschenk für mich gewesen ist.
Wir hatten so wunderschöne Zeiten miteinander.
Ich habe das Gefühl, mit meiner Mutter eins zu sein, unendlich genossen.
Ich habe Wärme erfahren, Geborgenheit und Schutz, irdischen Schutz und irdische Wärme.
Eine wundervolle Erfahrung.
Und ich habe Liebe erfahren und Glück. Dieses Glücksgefühl war so groß, dass ich es kaum erfassen habe können.
Es war größer als alles andere, was ich bisher erfahren hatte.
Ich war voll davon und ich konnte so viel davon aufsaugen, wie ich wollte - das Glück meiner Eltern wurde niemals weniger und auch nicht die Liebe.
Ich habe eine Art Unermesslichkeit erfahren, die mich sehr geprägt hat.
Das war eine der Erfahrungen, die ich machen wollte.
Darum bin ich gekommen, unter anderem.
Auch ihr seid gekommen, um Dinge zu lernen.
Ich genauso.
Ich bin nicht gegangen, weil ich euch nicht wollte. Oder die Erde nicht wollte.
Sondern weil ich bereits genug gelernt und gefühlt hatte.
Als ich merkte, dass ich gehen muss, war ich sehr traurig.
Ich wollte so gerne bei euch bleiben, aber ich wußte ja, dass ich gehen musste, damit die Dinge in Lauf kommen können, die euch und mir bestimmt waren.
Ich wußte selbst noch nicht genau, dass ich die größte und wichtigste Erfahrung erst machen sollte.
Aber ich wußte, ich möchte irdisch sein.
Jeder sollte mich begreifen.
Als meine kleine Welt sich erschütterte, hatte ich keine Angst.
Ich war viel mehr ganz still, damit ich alles wahrnehmen konnte, was jetzt geschah und damit ich ganz nah bei meinen Eltern sein konnte.
Wir mussten alle ganz still sein, um die leisen Worte zwischen uns vernehmen zu können.
Da durfte und konnte uns niemand stören.
Wir haben uns verstanden, ohne miteinander zu sprechen.
Viele Menschen würden sagen, das ist verrückt, aber das ist es nicht.
Ich habe Eltern, deren Ohren darauf geschult waren, leise Worte zu vernehmen und darum fiel es mir leicht.
Ich weiß, dass nicht jedes Kind so schnell gehört wird.
Das war eine weitere Erfahrungfür mich - dass ich wählen durfte und angehört wurde.
Ich habe gelernt, gehört zu werden.
Und ich habe Bedingungslosigkeit erfahren, als meine Eltern mir auf diesen Weg helfen wollten.
Als ich merkte, das es Zeit war, Mamas schützenden Körper zu verlassen, wurde ich zuerst sehr traurig.
Es war meine nächste Erfahrung - ich habe Trauer empfunden und Schmerz.
Dann, als die schützende Hülle um mich anfing sich zu bewegen und es immer enger um mich wurde, habe ich Angst erfahren.
Und doch habe ich mich beschützt gefühlt.
Dann wurde es mit einemmal hell und kalt.
Und doch war mir ganz warm und plötzlich war alles so anders.
Ich habe Glück empfunden.
Ich habe Erleichterung empfunden.
Und ich habe mich gefreut.
Ich habe gelernt, wie es ist, sich zu freuen.
Das nächste, was mir zuteil wurde, war Dankbarkeit.
Dankbarkeit, dass ich diesen Weg so habe gehen dürfen und ihn nicht alleine gehen musste.
Dann spürte ich meine Eltern um mich - und ich habe gelernt, wie es ist, andere Menschen und liebevolle Berührungen an meinem eigenen Körper zu spüren.
Ich habe Körperlichkeit erfahren.
Ich habe gelernt zu hören, zu riechen und zu fühlen.
Aber das größte und innigste, was ich fühlte, war Liebe, bedinngungslose Liebe.
Und Eins-sein.
Ich war nicht mehr alleine, ich war eins mit meinen ELtern.
Und wir alle waren verzaubert voneinander.
Ich konnte sie nicht mit meinen Augen sehen, aber mit meinem Herzen - ich brauchte keine Augen, um zu sehen.
Das wesentliche sehe ich auch ohne meine Augen.
Ich konnte fühlen.
Dafür war ich gekommen.
Ich wollte lernen, wie es ist zu spüren.
Und ich wollte lernen, wie es ist zu kämpfen.
Und ich wollte vor allem lernen, wie es ist, geliebt zu werden.
Und selbst zu lieben!
Als ich alles gelernt hatte, was es Zeit für mich zu gehen.
Und ich lernte den Abschied kennen.
Der Abschied war aber nicht schlimm.
Es war sanft und gut.
Und ich freute mich.
Es war alles gut. es war alles wunderbar.
Und als letzte Lektion erfuhr ich den Frieden.
Ich weiß, das meine Eltern viel geweint haben, weil ich ihnen fehle.
Sie fehlen mir auch, aber ich musste meinen Weg wählen und gehen.
Es hat nichts mit ihnen zu tun.
Was bleibt, ist eine tiefe Dankbarkeit, dass sie den Weg mit mir gegangen sind und mich die Liebe gelehrt haben.
Für mich war mein kurzes Leben ein Fest der Freude.
Es war kurz, aber voller Energie und Erfahrungen.
Ihr braucht nicht um mich weinen, wenn ihr an mich denkt.
Ich habe voller Innigkeit gelebt und bin in Liebe gegangen.
Es war für mich das schönste, was mir passieren durfte.
Es war für mich pures Glück.
Ihr braucht nicht um mich zu weinen, denn alles war... Glück
(Verfasser mir leider nicht bekannt)