10.Juni 2009
Jeden Augenblick des 10.06.2009 erinnere ich, als ob es gestern gewesen wäre, unauslöschlich sind die Stunden, die ich Fiete nah an meinem Herzen in den Armen hielt, niemals vergesse ich die wenigen Stunden, in denen er bei uns war.
Noch heute spüre ich die große Angst, die ich durchlebte, bevor ich endgültig in den OP gebracht wurde, Minuten waren wie Stunden, das Herz raste, die Hände zitterten, Worte konnten kaum gesprochen werden, Tränen, so unendlich viele Tränen.
Ich habe irgendwie funktioniert, habe das getan, was man mir gesagt hat, hätte ich nicht wundervolle Menschen an meiner Seite gehabt, ich glaube, ich hätte es nicht geschafft.
Die Minuten des Kaiserschnittes waren kaum auszuhalten, meine Arme haben unkontrolliert gezittert, ich hatte Probleme, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.
Bewusst habe ich mich für eine Peridualanästhesie entschieden, zu groß war die Angst mein Kind vielleicht nicht lebend in den Armen halten zu können, weil ich noch in Narkose liege, niemand konnte uns sagen, wie lange unser kleiner Engel bei uns bleiben würde, bevor er endgültig seine Reise zurück zu den Sternen antreten würde.
Und dann war er da, der Moment, als ich meinen kleinen Krümel das erste Mal hörte, ein leises "Hallo" gelangte an mein Ohr, zart und schwach, aber es war wie Musik in meinen Ohren, mein kleiner Sohn lebte.
Fiete wurde aus dem Opsaal gebracht, eingehüllt in warmen Tüchern und schützenden Armen, ich hatte so Angst, ich wollte zu ihm und konnte es nicht, die Minuten schienen nicht zu vergehen, bis ich endlich zurück in den Kreisaal gebracht wurde.
Und dort war er, mein kleiner Engel, in den Armen seines Papas, sachte meckernd, aber hier auf Erden bei uns.
Es sah so wundervoll aus, so perfekt, seine vielen Haare waren so weich, wie die kleinen Wolken, auf denen er jetzt umherhüpft, seine Haut war so zart, wie ein sachter Windhauch, sein Duft so einzigartig, ich werde ihn wohl niemals vergessen.
Doch mein kleiner Engel war so schwach, dass er nicht seine Augen öffnen konnte, wie sehr habe ich mir gewünscht und wünsche es immer noch, dass ich nur einmal in seine Augen hätte blicken können, ich weiß nicht, welche Farbe sie gehabt haben.
Zart und zerbrechlich hat mein kleiner Fiete unsere Welt für einen kurzen Moment betreten, zart und zerbrechlich ist er nach kurzer Zeit für immer gegangen, er hatte kleine Füße und hat doch solch große Spuren in unser aller Leben hinterlassen.
Drei Stunden war mein Sonnenschein bei uns, drei Stunden war er unser Traum, drei Stunden durfte ich diesen Traum leben, drei Stunden, die voller inniger Liebe waren, in denen wir gegenseitig so viel Liebe gespürt haben, drei Stunden die unendlich weh getan und uns trotzdem auch mit Glück erfüllt haben.
Diese drei Stunden sind die kostbarsten Stunden in meinem bisherigen Leben und werden es für immer bleiben, möge die Erinnerung an jeden einzelnen Augenblick niemals verblassen.
Ich durfte seinen Herzschlag hören und fühlen, bevor sein Herz aufgehört hat zu schlagen, ich durfte seine Wärme spüren, ich habe sein Köpfchen geküsst und berührt, habe seine Händchen in meinen gehalten, habe seine Füßchen gestreichelt.
In seinem kurzen Leben hat unser Kind kein Leid erfahren, keine Schmerzen, er war immer in unseren Armen, in der Nähe von unseren liebenden Herzen, Fiete war nie alleine.
Mein kleiner Fiete,
die wenigen Augenblicke, die Du mir geschenkt hast und die Liebe von Dir werde ich niemals vergessen, sie gibt mir jeden Tag die Kraft mein Leben weiter zu leben.
All meine Wünsche und Pläne für eine Zukunft mir Dir, Papa und Felix nahmst Du mit auf Deine Sternenreise, doch möchte ich niemals die Zeit mit Dir missen, sie ist unendlich wertvoll.
Liebe heißt auch loslassen können, ich habe Dich losgelassen, um Dir ein besseres Leben zu schenken.
Tausend Küsse schicke ich Dir hinauf zu den Sternen, ich liebe Dich, so sehr....